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Aus welchen Perspektiven nimmst du das Leben wahr?

4. Okt.
3 Min. Lesezeit

Wie die meisten wahrscheinlich wissen, hat jeder Mensch seine eigenen Ansichten über sich und die Welt. Unsere Perspektiven im Leben beeinflussen dabei, wie wir unsere Umgebung, andere Menschen und bestimmte Situationen wahrnehmen. Doch wie gut können wir die anderen Ideen, Meinungen und Weltanschauungen akzeptieren?


Lotusblüte die Glück verspricht

Eine Parabel über einen Apfelbaum

Ein paar Meter vom Wegrand entfernt steht ein Apfelbaum in voller Blüte. Die Äpfel sind glänzend rot und zum Pflücken bereit. Mit toller Sicht auf diesen wunderschönen, grossen Apfelbaum steht eine Bank, auf der man sich hinsetzen kann. Viele Menschen sitzen während dieser Tage auf diesem Bänkchen. Doch wer sieht den Apfelbaum wirklich?


Das erste Pärchen sitzt da und redet über seine Beziehung, das Leben und was es als Nächstes gemeinsam planen möchte. Sie nehmen den Apfelbaum kaum wahr, da sie tief ins Gespräch verwickelt sind. Nur kurz, als sie aufstehen und weitergehen wollen, sieht ihr Freund den Apfelbaum und denkt sich: «Oh, was für ein schöner Apfelbaum. Fast hätte ich ihn verpasst.»


Ein paar Minuten später kommt ein Geschäftsmann vorbei. Von der Hektik getrieben, möchte er etwas Abstand von seinem Stress gewinnen und sich in der Natur erholen. Er sitzt auf der Bank, kann die Natur aber gar nicht geniessen. Seine Gedanken drehen sich im Kreis: Was soll er morgen seinem Chef genau sagen? Wie kann er seine Projekte vorantreiben? Er steht wieder auf und nimmt seine Umgebung kaum wahr.


Kurz vor dem Mittag kommt eine junge Frau, setzt sich auf die Bank und schaut den grossen, schönen Apfelbaum an, der voller Äpfel in seiner Pracht dasteht. Sie ist oft hier und schaut diesen Baum regelmässig an. Heute erinnern sie die Äpfel an ihre Grossmutter und daran, wie sie immer zusammen Apfelkuchen gebacken haben. Sie überlegt sich, ob es nicht wieder einmal Zeit wäre, einen Apfelkuchen für ihre Familie zu backen. Beim Weitergehen denkt sie darüber nach, welche Zutaten sie dafür kaufen muss.


Mit einem kleinen Snack setzt sich später ein junger Mann hin. Er ist Schreiner und wird wahrscheinlich die Schreinerei seines Vaters übernehmen. Er schaut den Baum an und überlegt sich, dass sich Holz von Apfelbäumen gut für kleine Möbel eignet. Genüsslich verzehrt er seinen Snack und lässt sich davon inspirieren, ob er nicht doch eine neue Möbelreihe kreieren möchte, um das Geschäft voranzutreiben.


Die Nachmittagssonne ist heute intensiv, und ein naturverbundener Wanderer kommt zu diesem Baum. «Ist das nicht ein toller Ort?», meint er, als er den Schreiner gerade aufstehen sieht, der nun in seinen Zahlen vertieft ist und darüber nachdenkt, ob sich das Geschäft wohl lohnen könnte. Der Wanderer selbst sieht sich als sehr naturverbunden und hält sich, wann immer möglich, in der Natur auf. Er geht zum Baum hin und fasst ihn an. Er schliesst die Augen, um den Baum, seine Wurzeln und seine ganze Kraft zu spüren. Er übt sich immer wieder darin, mit der Natur zu sprechen und wahrzunehmen, was sie ihm wohl zu sagen hat. Genug Energie getankt, geht er fröhlich und gekräftigt seines Weges.


In der späteren Pause kommt eine Joggerin vorbei. Sie liebt es, Bücher über Philosophie und Spiritualität zu lesen. Sie beschäftigt sich viel mit ihren Gedanken und ihrem Weltbild über sich selbst und die Gesellschaft. Sie hat gelesen, dass ihre Gedanken über den Baum eben nur Gedanken sind und nicht der Apfelbaum selbst. Trotzdem bemerkt sie, dass ihre Identifikation mit ihren Gedanken noch ziemlich stark ist. Doch langsam kann sie erkennen, dass ihre Gedanken und das wirkliche Objekt – der Apfelbaum – nicht dasselbe sind. Mit einem Schmunzeln joggt sie leichtfüssig nach Hause.

Wer von ihnen hat den Apfelbaum nun wirklich gesehen?


Wer von ihnen hat den Apfelbaum nun wirklich gesehen?

Und wie nimmst du den Apfelbaum wahr?

Wie nimmst du deine Umgebung wahr? Kannst du andere Perspektiven gut akzeptieren, oder bist du der Meinung, dass deine die einzig richtige ist?.






 
 
 

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